OÖ: AK-Kinderbetreuungsatlas 2016

OÖ: AK-Kinderbetreuungsatlas 2016

Kinderbetreuung: Fortschritte nur in homöopathischen Dosen.

Beim Kinderbetreuungsangebot in Oberösterreich gibt es zwar wieder leichte Fortschritte, fünf Gemeinden mit Top-Angebot sind neu dazugekommen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Zahl der „1A-Gemeinden“ sogar rückläufig war. „Den ‚forcierten Ausbau‘, von dem Landespolitiker so gerne sprechen, können wir aus unserer Erhebung beim besten Willen nicht ablesen“, sagte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer heute bei der Präsentation des AK-Kinderbetreuungsatlas 2016. Insgesamt bieten nur 79 von 442 Gemeinden (17,9 Prozent) ein Angebot, das den Eltern auch eine Vollzeitbeschäftigung ermöglicht und gleichzeitig in den Einrichtungen ausreichend Zeit für Bildung und Förderung der Kinder bietet.

Den AK-Kinderbetreuungsatlas gibt es seit 17 Jahren, die Kategorie 1A wurde erst vor sieben Jahren eingeführt, weil sich die Arbeitswelt und der Anspruch an gute Kinderbetreuung in der Zwischenzeit stark verändert hatten. Für den Status 1A müssen die Öffnungszeiten im Kindergarten eine Vollzeitbeschäftigung der Eltern ermöglichen, außerdem muss es eine Betreuung für Unter-Dreijährige und eine Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder geben. Im Jahr 2010 erfüllten nur 9,5 Prozent der Gemeinden diese Kriterien, heute sind es immer noch magere 17,9 Prozent. Auch bei der zweitbesten Kategorie A sind gegenüber dem Vorjahr nur fünf Gemeinden neu dazugekommen.

Zu ähnlich unerfreulichen Ergebnissen kommt übrigens auch Statistik Austria: Bei Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige, die den VIF-Kriterien entsprechen, liegt Oberösterreich mit deutlichem Abstand an letzter Stelle, bei der VIF-konformen Betreuung der Drei-bis Sechsjährigen ist nur Niederösterreich noch schlechter als unser Bundesland. Oberösterreich teilt sich mit Kärnten den vorletzten Platz.

VIF ist die Abkürzung für den Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf. Dieser Indikator wurde 2006 von der Arbeiterkammer Wien gemeinsam mit Statistik Austria entwickelt, um zu erfassen, wie viele Plätze in der Kinderbetreuung mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind. Ursprünglich war der Indikator nur für die Analyse der Betreuungssituation gedacht, er wurde dann aber vom Bund sogar in die Bund-Länder-Verträge (15a-Vereinbarungen) zur Förderung des Ausbaus von Kinderbetreuungsplätzen übernommen.

Die VIF-Kriterien sind:
– mindestens 45 Stunden wöchentliche Öffnungszeit, werktags Montag bis Freitag
– an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet
– Mittagessen zumindest von Montag bis Donnerstag
– maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen

„Aus der Beratung wissen wir, dass leider selbst die für unseren Kinderbetreuungsatlas angewandten Kriterien in vielen Fällen noch zu kurz greifen“, sagt AK-Präsident Kalliauer. Zum einen bedeutet ein Angebot mit guten Öffnungszeiten noch nicht, dass auch genügend Plätze vorhanden sind. Und zum anderen führt die in Österreich besonders weit fortgeschrittene Arbeitszeitflexibilisierung dazu, dass in vielen Fällen auch Öffnungszeiten von 45 Stunden pro Woche nicht ausreichen – etwa wenn zum Beispiel Beschäftigte im Handel bis 18 Uhr oder länger arbeiten müssen.

Demgegenüber gibt es aber auch positive Entwicklungen:
– Beim Finanzausgleich zwischen dem Bund und den Ländern soll sich die Ausschüttung der Gelder für Kinderbetreuung künftig stärker an tatsächlich erbrachten Leistungen orientieren. So können zum Beispiel Betreuungseinrichtungen mit besseren Öffnungszeiten mehr Geld vom Bund bekommen. Damit wurde eine Forderung der Arbeiterkammer erfüllt. – Auch in Oberösterreich gibt es mittlerweile einige Gemeinden, deren Betreuungseinrichtungen ganzjährig geöffnet sind.
– Gemeinde-Kooperationen werden zunehmend auch bei Krabbelstuben und bei der Sommerbetreuung eingegangen.

„Fakt ist: Die institutionelle Kinderbetreuung ist für viele berufstätige Eltern noch immer mit Problemen verbunden. Das zeigen auch die vielen Anfragen in der AK“, stellt Präsident Kalliauer fest. Deshalb werde die AK auch in Zukunft hartnäckig bleiben.

Den gesamten Kinderbetreuungsatlas 2016 mit allen Detailergebnissen, den interaktiven Kinderbetreuungsatlas 2.0, der die Entwicklung der letzten 17 Jahre aufzeigt, sowie den Ratgeber für berufstätige Eltern „Kinderbetreuung von A bis Z“ finden Sie auf ooe.arbeiterkammer.at.

29. November 2016 / von / in

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